15.08.2009 / Nový Knín (CZ): Europäische Neonazis treffen sich beim 2. "Tag der Freiheit"
 "Das ist eine Wohltätigkeits-Veranstaltung zugunsten der Flutopfer. ... Unsere Aktion hat keinen politischen Hintergrund. Die Vertreter der "Dělnická strana" sind nur Gäste." So diktiert es Jiri Barta den JournalistInnen vor dem Open Air Kino von Nový Knín in die Kameras und Schreibblöcke. Diese können sich ein Schmunzeln kaum verkneifen. Immerhin ist die Rede vom "Den svobody". Dieser so genannte "Tag der Freiheit" ist seit Monaten als das Neonazi-Event in Nordtschechien beworben. Dazu sind etwa 250 Neonazis aus Tschechien und Teilen Europas angereist.


Für Szene-Kenner ist Barta kein Unbekannter. Er ist Funktionär der tschechischen Neonazi-Partei "Dělnická strana" (DS) und und tritt der Presse gegenüber als Organisator des  zweiten "Den svobody" auf. In dieser Funktion meint er, die Einnahmen dieses "musikalisch-kulturellem Festivals" kämen denen zu Gute, die vor wenigen Wochen Opfer der Überschwemmungen in Teilen Tschechiens geworden sind. Das Verwirrspiel wird komplettiert als kurz darauf, der Vorsitzende der "Dělnická strana", Tomáš Vandas bekannt gibt, dass es sich selbstverständlich um eine politische Aktion handele und vehement abstreitet, es sei eine "Wohltätigkeitsveranstaltung". Stattdessen stünde sie unter der "Schirmherrschaft" der DS.
 
Nový Knín ist eine Kleinstadt, etwa 40 Kilometer südlich von Prag gelegen. Hier im Open Air Kino findet, abgeschirmt von Gebüsch, Mauern und Stacheldraht, der 2. "Tag der Freiheit" statt. Angemeldet hat ihn nach Polizeiangaben, wie schon im Vorjahr Tomáš Vandas selbst. Am 16. August 2008 sollte der "Den svobody" in Pardubice stattfinden, wurde dann aber verboten und schlussendlich demonstrierten etwa 280 Neonazis illegal durch Hradec Králové.

Am diesjährigen "Tag der Freiheit" nahmen etwa 250 Neonazis teil. Zum Großteil stammten sie aus Tschechien. Kleinere Gruppen kamen aber auch aus den deutschen Regionen Chemnitz, Regensburg-Cham, Leipzig und Dortmund. Ebenfalls vertreten waren Neonazis aus der Slowakei, Österreich, Frankreich, England und Ungarn. Eine Reihe Neonazis erschienen zudem gemeinsam in T-Shirts mit der Aufschrift "Waffenbrüder Deutschland Hungary", darunter Matthias Fischer aus Fürth und Illés Zsolt, der ungarische Chef von Blood&Honour. Diese hatten ursprünglich geplant, an einem Gedenkmarsch anläßlich des Todestags von Rudolf Hess in Budapest teilzunehmen. Dort war der Aufmarsch jedoch verboten worden.

Das Programm des Neonazi-Events orientiert sich stark am Pressefest des "Deutsche Stimme Verlags" der NPD. Das verwundert nicht, da die NPD spätestens seit ihren erfolgreichen Einzügen in zwei deutsche Landtage als Vorbild für die DS dient. Neben Bands aus Tschechien und dem Ausland traten beim "Den svobody" eine Reihe von Rednern auf. Außerdem wurden den Neonazis ein Kinderprogramm, eine Tattooshow sowie Informationsstände verschiedener neonazistischer Projekte geboten.
Zusätzlich zu den obligatorischen Reden des DS-Vorsitzenden und von Vertretern tschechischer und slowakischer "Autonomer Nationalisten" waren gleich mehrere deutsche Redner angekündigt.
 
Für die NPD Chemnitz sollte deren stellvertretende Vorsitzende Katrin Köhler sprechen. Für den NPD Kreisverband Regensburg Stadt/Land war Willi Wiener angekündigt. Ferner sollte ein Aktivist vom "Freiem Netz Leipzig" sprechen. Angaben tschechischer Medien nach handelte es sich dabei um den Leipziger Neonazi Patrick Fischer. Schon mehrfach waren die NPD-Aktivisten in der Vergangenheit in Tschechien in Erscheinung getreten. Und auch Fischer hat eine besondere Beziehung nach Tschechien. Beim "Thüringentag" in Arnstadt verlas er am 13. Juni ein Grußwort von Patrik Vondrak, einem führenden Neonazi des tschechischen "Národní Odpor" (Nationaler Widerstand),

Für MedienvertreterInnen, die Bild- und Tonaufnahmen tätigen wollten, gab es keinen Zutritt. Die Neonazis wollten unter sich sein.
 
< zurück   weiter >