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Am 1. Mai demonstrierten im ostsächsischen Hoyerswerda ca. 400 Neonazis.
Sie kamen vorwiegend aus dem Spektrum der so genannten „Freien Kräfte“ und demonstrierten gegen den vermeintlich drohenden „Volkstod“ des deutschen Volkes. Veranstaltet wurde der Aufzug von einer „Arbeitsgruppe „Wir wollen leben“ im außerparlamentarischen Widerstand“. Der sperrige Name diente nur als Label, dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss von vorrangig ostsächsischen und südbrandenburgischen Neonazis, die seit Jahren unter verschiedenen Namen gemeinsame Demonstrationen und Aktionen durchführen. Nicht ohne Grund wurde als Ort für die Demonstration Hoyerswerda gewählt. Im Rahmen der derzeit laufenden neonazistischen „Volkstod-Kampagne“ sollte in der Stadt marschiert werden, die stark betroffen ist von Abwanderung und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und damit „sinnbildhaft für das Versagen der Demokraten“ stünde - so die „Arbeitsgruppe“. Erst mit deutlicher zeitlicher Verzögerung konnten die Neonazis ihre Veranstaltung beginnen. Offenbar hatten GegnerInnen der Neonazis an den Gleisanlagen vor Hoyerswerda Gegenstände in Brand gesetzt und damit die Anreise der TeilnehmerInnen zeitweise verzögert. In Hoyerswerda selbst gab es zudem eine kleinere Sitzblockade, die jedoch schnell wieder aufgelöst wurde. 200 Polizeibeamte waren im Einsatz.
Unter den anwesenden Neonazis waren VertreterInnen der „Freien Kräfte“ und der „Jungen Nationaldemokraten“ aus der Region Dresden und Sächsische Schweiz, genauso wie aus Bautzen, Ostsachsen und Südbrandenburg. Weite Teile der Organisationsstruktur der Demonstration wurden von langjährig bekannten Neonazis umgesetzt. So traten die Dresdner Neonazi-Kader Maik Müller und Sven Hagendorf mit Megaphonen auf, der Radeberger Neonazi-Aktivist Simon Richter fungierte als Anmelder, der Lautsprecherwagen wurde vom Sachsen-Anhaltiner Enrico Marx gesteuert. Wie am selben Tag auch in Zwickau zeigte sich in Hoyerswerda einmal mehr die funktionierende Zusammenarbeit und die Überschneidungen der „Freien Kräfte“ mit der NPD. Zahlreiche Parteifunktionäre nahmen teil, wie der stellvertretende Kreisvorsitzende des NPD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Dirk Abraham und deren JN-Vorsitzender Martin Schaffrath, der mit das Fronttransparent trug.
In einem Block der Demonstration zogen als Sensemänner verkleidete Neonazis mit, um den „Volkstod“ zu symbolisieren. Ein weiterer Block setzte sich zusammen mit Neonazis, die in Arbeitskleidung erschienen waren. Sie wollten die Arbeiter symbolisieren, welche nicht die wirtschaftliche Flucht ergreifen. Dazu trugen sie ein Transparent mit der Aufschrift „Wir bleiben hier - Heimat ist mehr als nur ein Standort“.
Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Generationen der Feigheit müssen vergehen" . Damit griffen die Neonazis auf einen Refrain-Text der neonazistischen Band „Hassgesang“ zurück. In dem Titel „Alte Kraft soll neu entstehen“ geht es um die angebliche Notwendigkeit deutsche Werte, die mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus „verloren“ gegangen seien, neu zu beleben.
In für Neonazis üblicher Manier thematisierte die veranstaltende „Arbeitsgruppe“ einseitig die Problemlage der Region Hoyerswerda. Anstelle einer Analyse wurde die Verantwortung für Abwanderung, niedrige Geburtenzahlen und Arbeitslosigkeit den „Demokraten“ zugesprochen, die die Region nur noch verwalten und damit den „Volkstod“ nicht verhindern würden. Dagegen setzten die Neonazis ihre mittlerweile sattsam bekannte Parole des „Nationalen Sozialismus“ - ein nicht nur phonetisch deutlicher Rückgriff auf nationalsozialistische Inhalte. |