29.05.2010 / Colditz: "Unpolitische" Neonazis gegen "Kinderschänder"

 An einer Kundgebung unter dem Motto "Colditz gegen Mißbrauch" beteiligten sich auf dem Martkplatz von Colditz, einer Kleinstadt in Mittelsachsen, etwa 80 Neonazis und AnhängerInnen.


Anlass der Kundgebung war ein Tage zuvor ergangenes Urteil des Amtsgerichts Grimma, das aus Sicht der lokalen Neonaziszene zu gering ausgefallen war. Ein Mann war dort am 19. Mai wegen Kindesmißbrauch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. "uns allen sollte klar sein das diese Strafe nicht gerechtfertigt ist und Frank F. eine höhere verdient hat!" hiess es in dem Aufruf, der online kursierte. Neonazis fordern in der Regel "Todesstrafe gegen Kinderschänder".

 

Als Organisator und Anmelder der Kundgebung fungierte der 23jährige Colditzer Franz Z.. Via dem Online-Netzwerk StudiVZ hatte er im Vorfeld zur Teilnahme mobilisiert.

 

Dabei wurde er nicht müde zu betonen, dass es sich um eine "unpolitische" Aktion handele, schliesslich ginge das Thema "Kinderschänder" über die Links-Rechts-Polarisierung hinaus und alle an.
Dass eine Forderung wie Todesstrafe jedoch nie einem linken oder demokratischen Konsens entsprechen kann, können Neonazis jedoch nicht erkennen.

Entsprechend stammten die TeilnehmerInnen der Kundgebung auch weitgehend aus dem neonazistisch geprägten Spektrum. Den Großteil von ihnen stellten recht junge Jugendliche aus Colditz, die mit ihrem Outfit bestehend aus Piercings, Tattoos und vielfach schwarzen T-Shirts äußerlich der Hardcore- und Emo-Szene zuzuordnen waren. Auf ihren T-Shirts und Pullovern trugen sie dazu ihre neonazistische Gesinnung offen zur Schau. Interessant dabei ist, dass sich mehrere TeilnehmerInnen inklusive dem Organisator vor wenigen Jahren noch der linken Szene zugehörig fühlten und sich in linken beziehungsweise nichtrechten Zusammenhängen bewegten.
Weitere Teilnehmer kamen vom "Freien Netz Geithain" und dazu trat noch eine Reihe interessierter AnwohnerInnen sowie Freundinnen und Freunden der Neonazis. Als Redner trat neben Franz Z. der regionale Neonazi-Kader Manuel Tripp auf.

 

Bei der Thematisierung von Kindesmißbrauch geht es Neonazis vordergründig nicht um den Schutz und das Wohl von Kindern. Im Mittelpunkt steht stattdessen die Selbstinszenierung als entschlossener Akteur, der bereit ist dass umzusetzen, was viele Teile der Bevölkerung vermeintlich denken. Anstelle für eine Verbesserung und konsequente Anwendung der vorhandenen Gesetze und Vorgaben einzutreten, genauso wie für eine Ausweitung und Verbesserung von Unterstützungsangeboten für missbrauchte Kinder und ihre Angehörigen, fokussieren Neonazis einseitig auf die Täterseite und fordern "Todesstrafe für Kinderschänder". So auch Manuel Tripp, der regionale Neonazikader des "Freien Netz Geithain", der dies in seiner Rede, unter Applaus der Anwesenden, forderte.

 
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