08.05.2009 / Burg: Keine Party am 8. Mai
 Auf ihren Transparenten standen Parolen wie „Nationaler Freiheitskampf“, ein Redner erinnerte seine ZuhörerInnen an angebliche „Greueltaten“ der Roten Armee auf ihrem Vormarsch in Richtung Hitler-Deutschland und aus den Lautsprecherboxen dröhnte Wagners „Walkürenritt“. Nach Feiern war den überwiegend schwarz gekleideten Neonazis, die sich am frühen Abend auf dem Burger Bahnhofsvorplatz versammelten, nicht zumute.   Das „Freie Netz“, ein Vernetzungsprojekt freier und parteinaher Kameradschaftsstrukturen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, hatte zu einer Demonstration unter dem Motto „8. Mai – Wir feiern nicht“ aufgerufen. Als Anmelder fungierte Danny Griesche („Freies Netz Burg“). Trotz kurzfristiger und größtenteils interner Mobilisierung folgten rund 300 AnhängerInnen dem Aufruf. Gegen 18:15 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Vorneweg trugen zwei junge Frauen einen Trauerkranz. Dahinter folgte ein Block mit Trägern schwarzer Fahnen, auf denen die Städte und Regionen der angereisten Gruppierungen aufgestickt waren. Neonazi-Symoliken wie die „Schwarze Sonne“, deren Zeigen andernorts regelmäßig per Auflagenbescheid verboten wird, durften von den VersammlungsteilnehmerInnen offen gezeigt werden. Während sich der Aufzug durch die Straßen der Kleinstadt bewegte, verlas ein Redner Zeitzeugenberichte deutscher Vertriebener, an denen die sowjetische Armee Kriegsverbrechen verübt haben soll. Dass es ausgerechnet Deutschland gewesen ist, dass den Krieg gegen die Sowjetunion begonnen hatte, klammerten die VeranstalterInnen bewusst aus.
Die Polizei wirkte von der hohen Teilnehmerzahl überrascht. Mangels BeamtInnen konnte sie den Aufzug nicht im geschlossenen Spalier begleiten. Szene-Kenner überraschte die hohe Teilnehmerzahl allerdings kaum. In der Vergangenheit gelang es dem „Freien Netz“ wiederholt, binnen kurzer Zeit und ohne viel öffentliche Mobilisierungsarbeit zu leisten, Aufmärsche in vergleichbaren Größenordnungen durchzuführen. Zuletzt nahmen knapp 400 „freie“ Neonazis am 1. Mai 2009 an einer kurzfristig anberaumten Demonstration im sächsischen Freiberg teil.  
Das öffentliche Interesse an der Neonazi-Demo war spürbar gering. Ein paar  Anwohner schauten ob des Lärms verdutzt aus ihren Fenstern. Neonazistische Graffitis wie Hakenkreuze oder Gewaltaufrufe gegen Andersdenkende prägten das Straßenbild und waren trotz bevorstehender neonazistischer Versammlung nicht beseitigt worden.
 
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