01.05.2009 / Brno (CZ): „Gegen System und Kapital - Nationaler Sozialismus jetzt!“
 Wie schon zum 1. Mai 2007 versammelten sich auch 2009 knapp 650 Neonazis im osttschechischen Brno. Während im vorvergangenen Jahr die Polizei die Neonazi-Demonstration kurz vor Beginn auflöste und es dabei zu schweren Ausschreitungen zwischen den anwesenden Neonazis und der Polizei kam, fand die diesjährige Versammlung weitgehend friedlich statt. Daran nahmen neben tschechischen und slowakischen Neonazis auch VertreterInnen deutscher, österreichischer und ungarischer Neonazi-Gruppierungen teil.



Aufgerufen zu dem Marsch, welcher unter dem Motto "Nationaler Sozialismus jetzt!" stand, hatte die tschechische Neonazipartei "Dělnicka strana" (Arbeiterpartei, DS). Hinter dem - passenderweise- braun getönten Fronttransparent mit dem Demonstrationsmotto, führten die Marschierenden Dutzende rot-weiße Fahnen mit dem böhmischen Löwen und ebenfalls rot-weiße Parteifahnen der DS mit. Der Marsch setzte sich fast vollständig aus vorrangig jugendlichen VertreterInnen der militanten "autonomen Nationalisten" zusammen. Die zahlenmäßig kleine Parteiprominenz der DS war erwartungsgemäß auch zugegen.



 

Als Redner trat unter anderem der Parteivorsitzende der "Dělnicka strana", Tomáš Vandas, auf. Er forderte staatliche "Unterstützung für die tschechische Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und inländische (tschechische, Anm.) Unternehmer". Diese wären "die treibende Kraft und das Rückgrat der tschechischen Wirtschaft". Seine Rede beendete er mit "Die Zukunft gehört uns - Nationalisten!". Blieb der Parteivorsitzende noch stark in der alltagsrassistischen Rhetorik verhaftet, wie sie auch die NPD - das deutsche Vorbild der "Dělnicka strana", propagiert, wurde der stellvertretende DS-Vorsitzende Jiří Štěpánek, deutlicher: Als Mittel gegen die derzeitige "moralische und wirtschaftliche Krise" empfahl er: "Meine Antwort - Nationalsozialismus." Dieser sei "gut für alle sozialen und beruflichen Schichten der tschechischen Nation." und steigere "die nationale Widerstandskraft" "in den derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen und politischen Zeiten".

 



Martin Zbela, der Vorsitzende der  Jugendorganisation der DS, "Dělnická mládež" (Arbeiterjugend, DM) teilte den TeilnehmerInnen stolz einen kürzlich erfolgten Coup mit. Die DM habe den Titel "Narodni odpor" (Nationaler Widerstand) offiziell registrieren lassen. Bisher gilt die militante Organisation "Narodni odpor" in Tschechien als verboten. Unter diesem Namen waren unter anderem Aktivitäten des internationalen Neonazi-Netzwerks "Blood&Honour" durchgeführt worden. Da "Narodni odpor" gleichzeitig als Parole verstanden wird, kam es immer wieder dazu, dass Neonazis mit den rechtlichen Folgen der Verwendung des Begriffs in Tschechien zu tun hatten.



 

Als weitere Gastredner traten neben dem Österreichischen Neonazi Gottfried Küssel auch ein deutscher sowie ein ungarischer Neonazi auf.



 

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei zogen die Neonazis im Anschluss an die Ansprachen durch das Zentrum von Brno. Zuvor war ein Großteil der TeilnehmerInnen des Aufmarsches von der Polizei erkennungsdienstlich behandelt worden.
Im Vorfeld waren ursprünglich bis zu 1.000 TeilnehmerInnen und gewalttätige Ausschreitungen erwartet worden. Entsprechend war die Polizei mit schwerem Gerät wie Räumpanzern und Wasserwerfern vor Ort gewesen.



 

In der Vorbereitung des Aufzugs wurde einmal mehr deutlich, wie stark sich die tschechische Neonazi-Szene an der deutschen orientiert. Das Motto der Demonstration "Nationaler Sozialismus jetzt" hatten auch die Anmelder des schlussendlich verbotenen Aufmarsches in Hannover für den 1. Mai gewählt. Die Mobilisierungseite für den Marsch in Brno ähnelte bis ins Detail den Demonstrations-Mobilisierungs-Homepages der südbrandenburgischen/ostsächsischen Neonazi-Szene. Dass es besonders im letzten Jahr zu einer spürbar verbesserten und engeren Kooperation zwischen deutschen und tschechischen Neonazis sowohl auf der Parteiebene zwischen der NPD und der DS aber auch der Ebene der so genannten "parteifreien Kräfte" gekommen ist, bestätigt eine Vielzahl von Ereignissen. An Veranstaltungen beiderseits der Grenze nehmen regelmäßig die jeweils ausländischen Deligierten teil. 


Erst am 18. April trat beispielsweise der Dresdner Neonazi Maik Müller als Redner auf einem Aufmarsch im tschechischen Usti nad Labem auf.


Und für Ende Juni kündigen tschechische Neonazis ein Konzert verschiedener Bands aus den USA, Tschechien, der Slowakei und Deutschland an. Hier steht gleich auf dem Flyer: "Show in the Czech Republic 40 km from Görlitz!"

 
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