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Zum wiederholten Mal demonstrierten Neonazis aus dem Spektrum der so genannten „Parteifreien Kräfte“ zum 1.Mai in Sachsen. Unter dem Motto „Zukunft statt Kapitalismus - Freiheit statt BRD" und der Forderung nach „Nationalen Sozialismus“ sowie „Schluss mit Überfremdung und Meinungsdiktatur“ zogen knapp 400 Neonazis durch das mittelsächsische Freiberg.
Hier versammelten sich vorwiegend in schwarz gekleidete militante Neonazis aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Berlin und Niedersachsen. Sie folgten der Einladung des führenden Dresdner Neonazi-Aktivisten Maik Müller. Der hatte nach dem Verbot der ursprünglich bundesweit geplanten "Freie Kräfte"-Demonstration in Hannover, kurzfristig eine Veranstaltung in Freiberg angemeldet. Nachdem die TeilnehmerInnen durch die Freiberger Innenstadt gezogen waren, kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf die Polizei. Mit Steinen, Flaschen und pyrotechnischen Erzeugnissen griffen die Neonazis an und verletzten 2 Beamte. Nachdem ein Neonazi festgenommen wurde, wollten im Anschluss an die Demonstration mehrere Hundert der Neonazis zur Freiberger Polizeiwache ziehen. Sie forderten die Freilassung ihres „Kameraden“. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein und nahm mehrere Dutzend der Neonazis fest. Der Demonstration vorausgegangen war ein szeneinterner Streit um die Aktivitäten zum 1. Mai. Nachdem die Dresdner NPD eine Demonstration zum Wahlkampf in Dresden angekündigt hatte, reagierten einige Dresdner Protagonisten der „Freien Kräfte“, darunter Maik Müller, verschnupft. Sie forderten in einem Aufruf dazu auf, dass die „Freien Kräfte Sachsen“, der NPD-Veranstaltung fern bleiben und zudem sich auch nicht aktiv an dem Wahlkampf der NPD beteiligen sollten. Neben dem mit ihnen nicht abgesprochenen Vorgehen in Dresden kritisierten sie auch, dass die NPD hier einen Stadtratskandidaten nominiert hatte, der mit einer Frau nichtdeutscher Abstammung liiert sei. Die Dresdner riefen stattdessen dazu auf, in Hannover zu demonstrieren. Nachdem die dort geplante Demonstration wegen der befürchteten Teilnahme von militanten und gewalttätigen Neonazis endgültig verboten worden war, rief Maik Müller nun dazu auf, in Freiberg zu demonstrieren. Der Szenezwist ging damit in die nächste Runde. Nur Stunden nach der Demonstration in Freiberg wurden die Organisatoren um Maik Müller scharf kritisiert. So bezeichnete ein User eines Neonazi-Online-Forums die Veranstalter als „Wichtigtuer“ und „Spaßnationale“, deren „Aktionen nicht einem nationalen Widerstand als Ziel haben und die Bevölkerung für uns gewinnen soll, sondern nur nach eigenem Gutdünken und Laune durchgeführt werden.“ Schon in den letzten Jahren hatten militante „Freie Kräfte“ in Sachsen „spontan“ demonstriert. 2006 marschierten etwa 200 Neonazis zu kurzen Demonstrationen in Freital, Bautzen, Hoyerswerda und Niesky auf. 2007 hatten sie ebenfalls "spontan" in Rosswein, Riesa und Oschatz demonstriert. Der Anmelder, Maik Müller, geriert sich zunehmend als treibende Kraft der sächsischen Szene. Er war Anmelder des Neonazi „Gedenkmarsches“ am 13. Februar in Dresden, an welchem etwa 1.100 Neonazis aus ganz Deutschland und Teilen Europas teilnahmen. An einer ähnlichen Neonazidemonstration im tschechischen Ústí nad Labem nahm er Mitte April als Redner teil. An der Demonstration Freiberg beteiligten sich unter anderem auch ehemalige Mitglieder der verbotenen Neonazikameradschaft „Sturm 34“ aus der Region Mittweida. Dabei auch der Ende 2008 vom Landgericht Dresden als Rädelsführer verurteilte Tom W.. Der „Sturm 34“, benannt nach einer SA-Brigade, wollte die Region Mittweida „von Ausländern, Linken und Andersdenken säubern“ und „eine national befreite Zone“ schaffen. Über 70 Gewalttaten in einem Jahr gehen auf das Konto der Mitglieder. Unter anderem schwere Körperverletzung, Brandstiftung, Sachbeschädigung und Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole. Höhepunkte des Neonaziterrors in der Region war ein Überfall auf ein Dorffest in Breitenborn am 6. Juni 2006 und ein Angriff auf eine Kabarettveranstaltung am 10. Februar 2007 mit 60 Zuschauern in Döbeln. |