08.07.2009 / Görlitz: NPD-Protest am Rande der Ausstellungseröffnung über Verbrechen der Wehrmacht
 Im Stadttheater Görlitz wurde am 08. Juli die Ausstellung „Größte Härte… - Verbrechen der Wehrmacht in Polen September/Oktober 1939“ eröffnet. Konzipiert worden war die Ausstellung vom Deutschen Historischen Institut Warschau und dem polnischen Institut des Nationalen Gedenkens. Von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert führten NPD-AKtivistInnen zeitgleich zur Eröffnung eine Kundgebung dagegen durch.

 

Im Einladungsschreiben des Landrates, Bernd Lange (CDU), zur Ausstellungseröffnung, welches unter anderem an alle Kreisräte des Landkreises Görlitz adressiert war, hatte es geheissen: „Die Beteiligung der Deutschen Wehrmacht an Verbrechen Ost- und Südosteuropa ab 1941 ist heute wissenschaftlich belegt und nicht zuletzt durch die „Wehrmachtausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung im öffentlichen Bewusstsein manifestiert. Eine marginale Rolle spielte in den Forschungen hingegen über lange Zeit der brutale Überfall auf Polen im September 1939, durch den Hitler in kürzester Zeit alle lebendigen Kräfte Polens zu beseitigen suchte. Rücksichtslos wurden in den ersten Wochen des Zweiten Weltkrieges durch Angehörige der Wehrmacht tausende Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet."

 

Die Einladung wurde auch an die 4 Kreisräte der NPD versandt. Daraufhin reagierte Andreas Storr, parlamentarischer  Berater der NPD im Sächsischen Landtag und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, mit einer dreiseitigen Erklärung. In dieser bezeichnete er die Wehrmacht als „anständige und ehrenvolle Armee“. Einmal mehr postulierte er:  „Auch die jetzige Ausstellung beinhaltet ein einseitiges Geschichtsbild und dient der pauschalen Verunglimpfung unserer Großväter.“ Weiterhin meint Storr,  Polen trage die Schuld am von Nazi-Deutschland ausgegangenen Angriffskrieg 1939: „Für die unter polnischer Fremdherrschaft lebenden Volksdeutschen war die allgemeine Lage gefährlich, ja lebensbedrohend geworden. Mit dem Terror gegen Volksdeutsche wollte Polen Deutschland zum Erstschlag herausfordern.“ Und weiter „Nachdem England und Polen alle von deutscher Seite vorgetragenen politischen Lösungsversuche verstellt hatten, wurde Deutschland schließlich zum militärischen Eingreifen genötigt.“. Zum Schluss wird dem Landrat vorgehalten „Allerdings haben Sie, Herr Lange, bereits am 28. Januar 2009 den Kreistag für eine sachfremde Einlassung – dem völlig deplazierten und einseitigen Auschwitzgedenken – mißbraucht.“ Anschließend wird der neuerliche Vorstoß, eine „antideutsche „Geschichtspolitik“ auf der Verwaltungsebene im Landkreis einzuführen“ vorgehalten.

Nach dieser Erklärung, welche am 03.Juli 2009, den KreisrätInnen zugestellt wurde, konnte davon ausgegangen werden, dass die NPD nicht an diesem Tag anwesend sein wird. Eine Fehleinschätzung, denn ca. 100 Meter vom Eingang zum Theater hielten 10 Mitglieder der NPD  eine Kundgebung ab. Diese war ursprünglich direkt für den Platz unmittelbar vor dem Theater angemeldet, was aber von der Ordnungsbehörde untersagt worden war.
Die Tatsache, dass die TeilnehmerInnen fast durchweg regionale Kader der NPD waren, belegt eindrucksvoll die derzeitige Mobilisierungsschwäche der ostsächsischen NPD.  Beachtung in der Görlitzer Bevölkerung fand die Kundgebung keine, niemand wollte Storr zuhören. 

Aber nicht nur die NPD zeigte in welcher Tradition sie sich versteht, sondern auch die DSU. So verteilte Christfried Wiedemuth (Kreisrat DSU) Artikel aus der „Jungen Freiheit“, in denen Polen quasi den Angriff durch „Krieg gegen nationalen Minderheiten“ verursacht hat. Jürgen Krumpholz, ehemals NPD und Ex-Mitarbeiter vom Ex-NPD-MdL Klaus Baier, war ebenfalls anwesend.

 
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