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14.03.2009 / Bratislava (SK): Neonazi-Kundgebung von Polizei aufgelöst |
Anlässlich des Jahrestages der Proklamation des faschistischen "Sowakischen Staates" am 14. März 1939 beteiligten sich an einer Kundgebung in Bratislava etwa 300 zumeist jugendliche Neonazis aus dem Spektrum der so genannten "Autonomen Nationalisten" und der Skinheadszene. Die Veranstaltung, welche vor dem Sitz des slowakischen Staatspräsidenten stattfand, wurde durch die Polizei aufgelöst, nachdem es zu verbotenen Äußerungen von Teilnehmerinnen gekommen war. Zum "Marsch für die Nationen" hatte die neonazistische Slovenská pospolitosť (Slowakische Gemeinschaft, SP) aufgerufen.
Deren Gründer und Vorsitzende, Marian Kotleba, beendete seine Rede mit den Worten "Und jetzt testen wir die Demokratie: Na straz!". "Na straz!" (Zur Wacht!) war die slowakische Entsprechung des deutschen "Heil Hitler!" und wurde während dem faschistischen Regime unter Jozef Tiso benutzt. Hier war es vor allem der Gruß der "Hlinkova garda" (Hlinka Garde) - einer Entsprechung der Waffen-SS. Die Garde zeichnete unter anderem für die Deporation slowakischer Jüdinnen und Juden nach Auschwitz verantwortlich. In der heutigen Slowakei ist ihr Gruß verboten. Nachdem Polizisten einer Anti-Aufruhr-Einheit Marian Kotleba gewissermaßen "von der Bühne herab" festnahmen, kam es zu kleineren Tumulten. In deren Verlauf wurden weitere Neonazis festgenommen. Berittene Polizisten lösten dann die Versammlung auf. Davor hatten Redner Tiso als den "einzig wahren slowakischen Präsidenten" bezeichnet und die Neonazis Rufe skandiert wie "Ruhm für Tiso, eine gemeinsame Zukunft für uns". Ursprünglich wollten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung zum Grab des Gründers des "Slowakischen Staates", Jozef Tiso, ziehen. Der war wegen Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland 1946 hingerichtet worden. Tiso war auch mitverantwortlich für Massendeportationen slowakischer Juden und Jüdinnen in die NS-Vernichtungslager. Unter den Teilnehmenden, die weitgehend aus der Slowakei stammten, befand sich auch eine Abordnung deutscher Neonazis aus dem Umfeld des "Freien Netz Süd" (FNS). Das FNS pflegt traditionell enge Kontakte in die osteuropäische Neonazi-Szene und deren Aktivisten beteiligen sich regelmässig an Veranstaltungen im Ausland. VertreterInnen der slowakischen Neonazi-Szene hatten auch am Großaufmarsch am 14. Februar 2009 in Dresden teilgenommen. |