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Samstag Mittag im westböhmischen Plzeň. Bei frühlingshaften Wetter bietet sich im Zentrum der Stadt eine merkwürdige Szenerie. Vor der Shopping Mall Plzen Plaza haben sich etwa 100 meist jugendliche Neonazis versammelt, halb umringt von zwei Dutzend martialisch gekleideten tschechischen Polizisten und etwa 40 MedienvertreterInnen.
Zwei Polizisten sprechen einen jungen Mann an, dessen Schal bis weit über der Nase das Gesicht verdeckt. Vermummung ist in Tschechien seit dem 1. Januar 2009 verboten. Der Neonazi nimmt den Schal ab. Am Ende werden es etwa 180 Neonazis, die an dem Aufmarsch der neonazistischen "Autonomní nacionalisté" (Autonome Nationalisten, AN) teilnehmen. Es gelte, sich dem "Einfluß des Zionismus auf die heutige Jugend und die heutige Welt" entgegen zu stellen.
So hatte es im Aufruf der "Autonomen Nationalisten Plzen" aus dem Spektrum so genannter "Freier Kräfte" geheissen. "Gegen Zionismus und jüdische Gewalt" sollte "Widerstand" gezeigt werden. Der Aufruf kulminierte im Vernichtungswahn: "Zvolejme společně *Izrael, táhněte do pekel !!!" - "Rufen wir alle gemeinsam - Israel, geh zur Hölle!" Das Fronttransparent des "pochod proti sionismu" (Marsch gegen Zionismus) trug neben dem Konterfei des iranischen Präsidenten Ahmedinedschad die Parole: "Die Welt ohne Zionismus". Die Botschaft war unmissverständlich. Entsprechend skandierten die TeilnehmerInnen immer wieder: "USA, Israel - geht zur Hölle" und "Israel-Mörder-Raus aus Gaza". Organisator des Aufmarsches war Tomáš Babka, ein regionaler Neonazi-Aktivist. Neben tschechischen "Autonomen Nationalisten", nahmen auch VertreterInnen der "Delnicka strana" (Arbeiterpartei, DS) und des "Narodni Odpor" teil. Dazu waren einige deutsche Neonazis zum Aufmarsch angereist.
Entlang der Route in die Innenstadt, wurde die Demonstration von mehreren Hundert GegenprotestantInnen begleitet. Viele von ihnen hielten Schilder in der Hand mit der Aufschrift "Nein zu Nazis". Die Polizei war mit einem für Tschechien bei solchen Anlässen eher unüblichen Groß-Aufgebot auf eventuelle Ausschreitungen vorbereitet. Zwei Neonazis wurden festgenommen. Ein 27jähriger hatte gegen das Vermummungsgesetz verstoßen. Ein weiterer zeigte sein Halstattoo mit der Zahl "88", die szeneintern als "Heil Hitler" verstanden wird. Er habe sich nun wegen des Verdachts der Unterstützung der Unterdrückung von Menschenrechten und Grundfreiheiten zu verantworten. Ihm drohen bis zu 3 Jahre Haft, teilte eine Polizeisprecherin mit.
Die Veranstaltung sollte ursprünglich schon am 21. Februar 2009 statt finden. Damals war sie jedoch durch die Stadtverwaltung verboten worden. Für den 14. März hatte das Gericht dagegen, das Verbot der Stadt aufgehoben. Es sei seitens der Stadt zu wenig beweiskräftiges Material vorgelegt worden, so ein Vertreter der Staatsanwaltschaft.. Im Januar 2008 war ebenfalls eine Neonazi-Demonstration in Plzen verboten worden. Damals hatte der Organisator dazu aufgerufen, Schusswaffen zur Demonstration mitzubringen. Der Marsch sollte zudem an der Großen Synagoge von Plzeň vorüberziehen.
Der Termin für den Aufmarsch am 14. März war nicht zufällig gewählt. Am darauf folgenden 15. März jährt sich zum 70. Mal der Tag der Okkupation der Tschechoslowakei durch die Nazis 1939. Diese besetzten unter Bruch des Münchner Abkommens Böhmen und Mähren und bildeten so das gleichnamige Protektorat. |