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Am Vormittag des 09. März 2009 wurde in Dresden ein Mitarbeiter des Kulturbüro Sachsen e.V. brutal von Neonazis angegriffen. Er hatte zuvor eine Gerichtsverhandlung vor dem Dresdner Landgericht besucht. Dort musste sich der Haupttäter der Angriffe auf einen Dönerimbiss in Dresden während der Fußball EM 2008 verantworten. Der 21jährige einschlägig Vorbestrafte erhielt 2 1/2 Jahre Haft dafür, dass er etwa 50 rechte Hooligans zu den Übergriffen aufgerufen hatte.
Auf dem Rückweg von der Urteilsverkündung wurde der Mitarbeiter des Kulturbüro Sachsen auf offener Straße gegen Mittag von fünf Neonazis angegriffen. Die Angreifer schlugen und traten brutal und unvermittelt auf den Angegriffenen ein.
"Der Mitarbeiter befindet sich, glücklicher Weise, auf dem Weg der Besserung." teilt das Kulturbüro Sachsen mit. "Das beherzte Eingreifen zweier Passanten und das schnelle Eintreffen der Polizei verhinderten Schlimmeres." Ausdrücklich dankt das Kulturbüro "dem Zeugenpaar für sein schnelles, umsichtiges und beherztes Eingreifen und der Polizei für Ihr schnelles Erscheinen." Unter dem Motto "Arbeit für demokratische Kultur ist Arbeit gegen Rechtsextremismus." berät das Kulturbüro Sachsen e.V. seit 2001 lokale Vereine, Jugendinitiativen, Kirchgemeinden, Netzwerke, Firmen sowie Kommunalpolitik- und -verwaltung in Sachsen mit dem Ziel, rechtsextremistischen Strukturen eine aktive demokratische Zivilgesellschaft entgegenzusetzen. Das Kulturbüro engagierte sich stark in den Vorbereitungen für die Gegenaktivitäten gegen den Neonazi-Großaufmarsh am 14.2. unter dem Motto "Geh-denken".
In der Vergangenheit waren MitarbeiterInnen des Kulturbüro Sachsen e.V. schon mehrfach "von Rechtsextremen verbal angegriffen oder in Presseartikeln und auf Internetseiten diffamiert" worden. Aus Sicht der Geschäftsführerin des Vereins, Grit Hanneforth, ist mit der "Gewalttat (...) eine neue Stufe erreicht. Wir fordern alle staatlichen Behörden und nichtstaatlichen Initiativen auf, sich gerade im Wahljahr 2009 deutlich und wehrhaft gegen rechtsextreme Gewalttäter und deren geistige Brandstifter zu stellen“ so Hanneforth weiter.
Die Täter stammen offenbar aus dem Kreis der Dresdner Neonazi-Szene zwischen so genannten "Freien Kräften" und der NPD. Einer der Tatverdächtigen, der 23jährige Marco E., beteiligt sich seit mehreren Jahren an den Aktivitäten der Szene. Regelmäßig ist er Teilnehmer an Demonstrationen. Am 21. Juni 2008, als etwa 300 vorrangig sächsische Neonazis in Dresden eine Spontandemonstration durchführten, war Marco E. an einem gewalttätigen Angriff auf einen tschechischen Fotografen beteiligt. Dies zeigt ein Video des Angriff auf youtube. Dass Marco E. enge Kontakte zur Dresdner NPD pflegt, belegt sein Profil auf der regionalen Online-Community-Plattform "dampfer". In der Rubrik "Freunde" verlinkt er gleich mehrere bekannte Neonazis, darunter den Dresdner NPD-Vorsitzenden Paul L.. In der "Galerie" posiert er zudem ebenfalls mit diversen NPD-Aktivisten wie Jens Baur, dem Dresdner NPD-Kreisverbandsvorsitzenden und Holger Apfel u.a..
Erst anlässlich des 13. Februar waren während beider Neonazi-Demonstrationen mehrere JournalistInnen von Neonazis angegriffen worden. |