Unter dem Motto „20 Jahre Mauerfall - Wir sind das Volk“ marschierten etwa 250 Neonazis am 07. November durch Halle/Saale.
Damit blieben die Organisatoren der Jungen Nationaldemokraten“ (JN) Sachsen-Anhalt um den Anmelder und JN-Landesvorsitzenden Andy Knape deutlich unter ihren Erwartungen zurück, waren sie doch nach einer langfristigen und bundesweiten Mobilisierung im Vorfeld, von einer deutlich höheren TeilnehmerInnenzahl ausgegangen. Zudem waren die lokalen Veranstalter davon ausgegangen, dass eine Vielzahl von Neonazis anreisen würde, um "Rache" zu nehmen für die gescheitere Demonstration in Leipzig am 17. Oktober. Damals war eine Neonazi-Demonstration unter dem Motto "Recht auf Zukunft" erst von einem breiten Bündnis erfolgreich blockiert und später polizeilich aufgelöst worden nachdem es zu Auschreitungen der Neonazis gekommen war. Auf ihrem knapp 6 Kilometer langen Aufmarsch in die westlich von Halle gelegenen Plattenbausiedlungen gerierten sich die Neonazis selbst in der Tradition der Widerstandskämpfer in der DDR, da es auch heute gelte, 20 Jahre nach dem Mauerfall, gegen einen „Unrechtsstaat“ an zu kämpfen, dessen Demokratie zum vielerlei Male heraufbeschworenen „Volkstod“ führe. Gegen den Aufmarsch protestierten mehrere Hundert AntifaschistInnen und BürgerInnen. Das Vorgehen der Polizei verhinderte jedoch ein Aufeinandertreffen der DemonstrantInnen, so dass der Protest weitgehend außer Hör- und Sichtweite der Neonazis blieb. Zu einem Zwischenfall kam es lediglich an einem Zwischenkundgebungsort, als ein Gegendemonstrant versuchte, den gerade sprechenden stellvertretenden JN-Bundesvorsitzenden Matthias Gärtner zu stören, indem er mit einer Flagge auf ihn zugelaufen kam. Vor dem Erreichen des Redners wurde er von zahlreichen Demonstrationsteilnehmern überwältigt. Den sich anschliessenden kurzen Tumult nutzten einige Neonazis darunter auch Ordner der Versammlung, um Pressevertreter zu attackieren.
In den insgesamt sechs Redebeiträgen wurde gegen einen vermeintlich drohenden „Volkstod“ angeredet und gegen die Demokratie gehetzt. Der NPD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, Matthias Heyder, stilisierte sich gar zum Freiheitskämpfer für ein geeintes Deutschland. Denn er habe schon "damals" in der DDR als Widerstandskämpfer gegen das System gekämpft und sei "heute" als Neonazi im wiedervereinten Deutschland erneut "Opfer der Meinungsdiktatur". Matthias Gärtner schloss sich dem weitestgehend an und beschwor den angeblich nahenden „Volkstod“ als Begründung für ein von den Neonazis gefordertes System, welches nur „Volksdeutschen“ in der Bundesrepublik eine Existenz zuspricht. In ähnliche argumentative Kerben schlugen auch die JN-Landesvorsitzenden Andy Knape (Sachsen-Anhalt), Julian Monaco (Niedersachen)d und Tommy Naumann (Sachsen)
War das Motto der Demonstration noch im Zusammenhang zur politischen Wende 1989 gewählt, so wurde die Versammlung selbst dominiert von schwarz gekleideten AnhängerInnen der so genannten "Autonomen Nationalisten", die gerade in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Sachsen oftmals deckungsgleich sind mit AnhängerInnen der JN. Und auch in den Sprechchören legten die selbsternannten "Volksretter" mit Parolen wie „Deutsch, sozial und radikal“ und „Nationaler Sozialismus jetzt“ einmal mehr ein Bekenntnis zu ihrer nationalsozialistischen Ideologie ab. |