|
24.10.2009 / Rakovník (CZ): Fackelmarsch "Autonomer Nationalisten" |
|
In den Samstagabendstunden des 24. Oktober zogen etwa 200 Neonazis aus dem Spektrum der "Autonomni nacionaliste" ("Autonome Nationalisten") und BürgerInnen durch Rakovník, um an Jan Strička zu erinnern, der im Oktober 2008 gestorben war.
Während dem kurzen Schweigemarsch vom Bahnhof der Kleinstadt, 60 Kilometer westlich von Prag, zum Marktplatz führten die TeilnehmerInnen eine Vielzahl von Fackeln mit. Auf dem Marktplatz hielten sie an der Stelle, wo Strička tödlich verletzt worden war, eine Kundgebung ab und legten Kerzen und Blumen nieder. Dass das Anliegen, zumindest der neonazistischen DemonstrantInnen, nicht die Erinnerung war an einen Jugendlichen, der auf tragische Weise ums Leben kam, sondern es um die politische Instrumentalisierung ging, wurde in der Rede eines "Kameraden" deutlich. In einem für Neonazis üblichen Rundumschlag hetzte er sowohl gegen die Minderheit der in Tschechien lebenden Roma, als auch gegen die anwesenden Polizeibeamten und MedienvertreterInnen. Sie alle trügen auf unterschiedliche Weise die Mitschuld am Tod von Jan Strička.
Am 25. Oktober 2008 war der 27jährige Jan Strička in einer Rakovníker Diskothek mit einem 21jährigen Jugendlichen aneinandergeraten. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden verlagerte sich auf dem Marktplatz, wo Strička schliesslich durch Messerstiche schwer verletzt zusammenbrach und später im Krankenhaus verstarb. Die regionale Neonaziszene bezeichnete Tage später den Täter als Angehörigen der Roma-Minderheit und konstruierte eine Bedrohung, welche von den Roma angeblich gegen Tschechen ausgehen würde. Währenddessen ging weder die ermittelnde Polizei noch das zuständige Gericht von einem rassistisch motivierten Hintergrund aus. Auch seine vermeintliche Zugehörigkeit zur Roma-Minderheit wurde nicht geklärt. Der Täter wurde inzwischen zu 12 Jahren Hochsicherheitshaft verurteilt.
Wenige Tage nach der Tat hatten sich 2008 550 Neonazis und BürgerInnen an einem ersten Trauermarsch für den Getöteten beteiligt.
Der Tod von Stricka wurde im Herbst 2008 von Neonazis als ein Grund für die Eskalation antiziganistischer Ausschreitungen in Litvinov-Janov am 17.11.08 heranigeführt. |