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Am 21. Oktober ging die tschechische Polizei erneut gegen Neonazis vor. Dabei wurden 28 Personen festgenommen. Während einige der Inhaftierten Stunden später freigelassen wurden, befindet sich eine bisher nicht genannte Zahl noch in Gewahrsam.
Im Rahmen der "Aktion Power 2" durchsuchten Polizeibeamte in den Mittwoch-Morgenstunden Wohnungen von Neonazis in mehreren tschechischen Städten, unter anderem in Prag, Usti n.L., České Budějovice und Hodonín. Dem Großeinsatz waren wochenlange Ermittlungen voraus gegangen. Er richtete sich Polizeiangaben zu Folge zum einen gegen Neonazis aus der RechtsRock-Szene, denen die Beteiligung an der Durchführung und Organisation neonazistischer Konzerte vorgeworfen wird, zum anderen gegen Führungspersonen der "Dělnická strana" und deren Jugendorganisation "Dělnická mladesz". Ausserdem waren auch ProtagonistInnen der "Resistance Woman Unity" (RWU) und des Internetradios "Radio Autonom" von den Maßnahmen betroffen. Neben Computern wurden auch Mobiltelefone und weiteres Material bei den Razzien beschlagnahmt. Einer der Festgenommenen ist Patrik Vondrák. Der 24jährige Neonazi-Multifunktionär ist langjähriger Aktivist des mittlerweile verbotenen "Narodni odpor" und Vorsitzender der "Dělnická strana" in Prag. Er gilt zudem als einer der wichtigsten Kontakpersonen zur deutschen Neonazi-Szene. Regelmäßig beteiligt er sich, teilweise als Redner, an neonazistischen Aktivitäten in Deutschland. So nahm er erst am vergangenen Wochenende an der gescheiterten Neonazi-Demonstration in Leipzig teil. Tschechischen Beobachtern zu folge steht Vondrák dabei in besonders engem Kontakt zum Leipziger Neonazi-Kader Patrick Fischer. Unter den Festgenommenen sind weiter Matyáš Sombati, der stellvertretende Vorsitzende von "Dělnická mládež",Jiří Bárta, der Initiator der "Aktion Odporuj" - wie Vondrak ist auch er langjähriger Kader der tschechischen Neonazi-Szene, die ANführerin der "Resistance Women Unity" Michaela Dupová und Dragan Petrovic - der Anführer der serbischen Sektion von Blood&Honour. Er lebt derzeit in Prag. Erst im Juni waren im Rahmen der "Aktion Power" 10 Neonazis festgenommen worden, von denen vier noch immer in Haft sind. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen durch die Organisation und Durchführung von RechtsRock-Konzerten "Nationalsozialismus und Faschismus verbreitet" zu haben.
Seither fanden in ganz Tschechien mehrere "Solidaritäts-Kundgebungen" statt, die sich gegen die Polizeimassnahmen richteten. Und auch am Abend des 21. Oktobers demonstrierten etwa 100 Neonazis der "Dělnická strana" und der tschechischen "Freien Kräfte" gegen die Razzien der "Aktion Power 2" im Prager Regierungsviertel.
Insbesondere die Tatsache, dass unter den Verhafteten sich einige Mitglieder der "Dělnická strana" befinden, wird als Indiz dafür gewertet, dass die "Aktion Power 2" im Zusammenhang mit dem angestrebten Verbot der Partei steht. Nachdem im März vor dem Obersten Verwaltungsgericht in Brno ein entsprechender Versuch gescheitert war, forciert der derzeitige Innenminister Martin Pecina dieses erneut. Damals hatten die Richter geurteilt, dass der Verbotsantrag der damaligen Regierung nicht nur unzureichend ausgearbeitet war, sondern zudem keine Belege für die verfassunsgwidrigen Aktivitäten der "Dělnická strana" geliefert hatte. Pecina geht davon aus, dass in einem zweiten Verbotsantrag diese Belege geliefert werden können. Dabei beruft er sich unter anderem auf die enge - auch personelle - Verstrickung der "Dělnická strana" mit militanten Neonazis der verbotenen Organisation "Narodni odpor" und aus dem Spektrum der "Autonomni nacionaliste". |