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10.10.2009 / Prag (CZ): Neonazis gegen das "korrumpierte System" |
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Etwa 40 AnhängerInnen der neonazistischen "Dělnicka strana" (DS, Arbeiterpartei) und der "Autonomní nacionalisté" (Autonome Nationalisten) nahmen an einer Kundgebung vor dem tschechischen Regierungsgebäude in der Prager Innenstadt am Samstag Nachmittag teil. Damit wollten sie ihre "Solidarität" mit vier inhaftierten Neonazis zeigen.
Unter dem Motto "Freiheit gegen die totalitären Methoden des korrumpierten Systems" sprachen sowohl Jirí Barta und Patrik Vondrak zu den Anwesenden. Beide gelten als die derzeit wichtigsten Neonazis in Tschechien. Barta stellte eine neue Initiative vor, die unter dem Namen "Odporuj" vermeintliche "Mafia-Methoden" tschechischer PolitikerInnen thematisieren soll. Es gäbe eine Vielzahl von Beispielen, die belegen würden dass tschechische Politiker gemeinsam mit Lobbyisten das politische System Tschechiens ausnützen und schädigen würden. Auf einem Internet-Blog der Initiative "Odporuj" sollen nun regelmäßig entsprechende "Analysen" verbreitet werden. Einige TeilnehmerInnen der Kundgebung zeigten Plakate mit Aufschriften, die beispielsweise den aktuellen Skandal um die Vergabe unverdienter Titel an der Universität Plzen anprangerten.
Seit dem Sommer wird gegen insgesamt 10 Neonazis des "Narodni odpor" (Nationaler Widerstand) in Tschechien ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen durch die Organisation und Durchführung einschlägiger Neonazi-Konzerte "Nationalsozialismus und Faschismus verbreitet" zu haben, so ein Polizeisprecher gegenüber Recherche Ost. Fünf der Beschuldigten waren festgenommen worden, von denen vier noch inhaftiert sind. Aus Sicht von Barta handelt es sich bei ihnen um "politische Dissidenten": Interessant ist dabei, dass die tschechische Polizei erstmalig in dieser Form gegen die neonazistische Musikszene in Tschechien vorgegangen ist. Bisher führte der Verdacht, dass in Liedtexten bei RechtsRock-Konzerten das Dritte Reich, Antisemitismus und "Rassenreinheit" propagiert werden, in der Regel nicht zu Ermittlungen. Diesmal sind diese Vorwürfe jedoch Hauptbestandteil der polizeilichen Maßnahmen. Den Inhaftierten drohen dabei enorme Haftstrafen von drei bis acht Jahren.
Seit den Razzien und Festnahmen war es in verschiedenen Städten in ganz Tschechien immer wieder zu kleineren "Solidaritäts-Demonstrationen" von Neonazis gekommen. |