13.02.2009 / Dresden: Im Fackelschein durch die Stadt
 Am Abend fand in Dresden ein Aufmarsch von 1.100 Neonazis anlässlich der Bombardierung der Stadt 1945 statt. Daran nahmen Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch Tschechien, Österreich, Schweden, Belgien und Spanien teil. Der Großteil der Teilnehmer_Innen setzte sich aus Anhängern des so genannten "Black Block" und parteiungebundenen neonazistischen "Freien Kräften" zusammen. Auch die langjährig aktiven, bundesweiten Neonazi-Kader Christian Worch und Thomas "Steiner" Wulff befanden sich unter den Teilnehmer_Innen. Motto des Aufmarsches war "nicht den Tätern geh-denken, sondern den Opfern". Damit spielten die Neonazis auf die Gegenproteste gegen ihren Aufzug an, welcher von einem breiten bürgerlichen Bündnis unter dem Label "Gehdenken" organisiert wird.
Für die europäische Dimension dieses Aufmarsches und die enge Vernetzung über die Grenzen hinweg spricht nicht zuletzt, dass ein Redner aus Spanien zu den Anwesenden sprach. Enrique Valls, von der Alianza National war schon mehrfach in der Vergangenheit zu Gast bei Dresdner Neonazis gewesen.
Teilweise in Blöcken marschierten die Neonazis mit Fackeln unter Trommelschlägen durch die Dresdner Innenstadt.
 
Zeitgleich demonstrierten etwa 800 Antifaschist_Innen gegen das Gedenkzeremoniell und die Neonazis ebenfalls in der Innenstadt.
Veranstaltet wurde der "Gedenkmarsch" in den Abendstunden des 13. Februar von einem so genannten "Aktionsbündnis gegen das Vergessen" (AgV). Daran beteiligt sind vorrangig Angehörige der parteiungebundenen neonazistischen "Freien Kräfte" aus der Region Dresden, aber auch NPD-Anhänger und weitere in der Regel jugendliche Neonazis.
Seit 2007 führt das AgV im Vorfeld des 13. Februar eine "Aktionswoche" durch, deren Höhepunkt nach eigenem Bekunden der "Gedenkmarsch" am Abend des 13. Februar darstellt. Auch wenn die Protagonisten immer wieder betonen, dass der Aufmarsch "keine Konkurrenz" zum neonazistischen Großaufmarsch darstellt, welchen die "Junge Landsmannschaft Ostdeutschland e.V." (JLO) alljährlich am auf den 13. folgenden Samstag durchführt, so wird die avisierte Abgrenzung doch recht deutlich propagiert. Aus der Kritik heraus, der Großaufmarsch sei von der NPD in den letzten Jahren dominiert und teilweise vereinnahmt worden und es wurde mit der Terminwahl an einem Samstag mehr Wert auf die Masse der "Trauernden" als die Klasse des "Gedenkens" gelegt, fand sich das "Aktionsbündnis" zusammen. Nur am Abend des 13. Februar könne man authentisch an die "deutschen Opfer" der Bombardierung erinnern, meinen die Neonazis.
Im Nachhinein kritisierten mehrere Neonazis, darunter Christian Worch und Maik Müller, dass an dem Aufmarsch offenbar keine NPD-Funktionäre aus dem Sächsischen Landtag teilgenommen haben. Dies sei unverständlich, hätten sie doch im Gegensatz zu vielen der Teilnehmer nur einen kurzen Anreiseweg gehabt. Die Veranstalter sahen sich insofern darin bestätigt, dass mit der NPD ein "angemessenes Gedenken" nicht möglich sei.
Andere Aktivitäten während der "Aktionswoche 2009" stellten das Werfen von Papierschnipseln mit geschichtsrevisionistischer Propaganda in der Dresdner Innenstadt dar, genauso wie eine Saalveranstaltung zum Thema 13. Februar  mit NPD-Vertretern und das Zu-Wasser-Lassen von Kerzen in der Elbe, die als "Licht für Dresden" vom Schicksal der Stadt künden sollen.

Als Anmelder des abendlichen Aufmarsches 2009 fungiert der Dresdner Maik Müller. Der Anfangdreissigjährige ist seit Jahren ein führender Aktivist der Szene und trat in der Vergangenheit durch eine Vielzahl von Aktivitäten in Erscheinung. Dieses Jahr zeichnete er für fast alle Online-Verlautbarungen des Aktionsbündnisses unter seinem Pseudonym "Max Braun" verantwortlich und tritt als dessen Sprecher auf. Zudem ist Müller Hauptrotagonist des neonazistischen Online-Portals "Netzwerk Mitte".

Der Aufmarsch fand unter starker Polizeipräsens statt. Dennoch versuchten am Rande des Aufzugs mehrere Demonstrationsteilnehmer Journalisten zu bedrohen und anzugreifen. Nur durch Flucht konnte ein Kamerateam dem glimpflich entkommen. Andere Fotografen wurden in ihrer Arbeit behindert.
 
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