Zum ersten Treffen nach dem Wahljahr 2009 kam am 23. Januar die sächsische NPD in Limbach-Oberfrohna zusammen.
Ziel der teils auch aus anderen Bundesländern angereisten Neonazis war wie gewohnt die im Zentrum der Kleinstadt nahe Chemnitz gelegene Gaststätte „Mannheim“. An der Veranstaltung nahmen wie bei den letzten Malen um die 100 Personen teil, darunter auch der reisefreudige Nazibarde Frank Rennicke aus Mittelfranken, welcher im letzten Jahr als gemeinsamer Kandidat von NPD und DVU für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt worden war. Der Veranstaltungsort hat sich mittlerweile als Treffpunkt für die überregionale Neonaziszene etabliert. Grund hierfür dürfte nicht zuletzt der bislang geringe Widerstand aus der Bevölkerung gepaart mit ausreichend großen Räumlichkeiten sein. Wahrhaben wollen das viele aber nicht. So wird ein rechtes Problem vom Oberbürgermeister weiterhin geleugnet. Versuche der Partei Die Linke, einen „Runden Tisch gegen Gewalt“ einzurichten, scheiterten bislang am Widerstand der regierenden CDU. Dies gibt der NPD den nötigen Rückhalt, ihre Veranstaltungen offen und problemlos durchzuführen. Dadurch war es der Partei während der letzten Zusammenkünfte sogar möglich gewesen, den Parkplatz eines benachbarten Supermarktes zu nutzen, kontrolliert vom NPD-Ordnerdienst. Als die Neonazis nach und nach am an der Gaststätte eintrafen, fand in der Nähe zum ersten Mal eine Gegendemonstration statt, bei der mit Redebeiträgen auf die rechten Aktivitäten in der Stadt hingewiesen wurde. Denn allein im letzten Jahr fanden in der großen Kreisstadt mindestens vier landesweite NPD-Veranstaltungen statt. Desweiteren war am 12. Dezember im „Mannheim“ ein Konzert der rechten Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ geplant gewesen, welches aber wenige Stunden vor Beginn von der Polizei verboten wurde. Zusammenkünfte in der Gaststätte sind allerdings nur ein Teil der Aktivitäten in der von rechten Jugendgruppen dominierten Stadt. Eine kleine Anfrage der sächsischen Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke) hatte kürzlich ergeben, dass es in den Jahren 2004 bis 2009 zu über 70 rechten Straftaten in der Stadt gekommen ist, davon alleine zu zwölf im vergangenen Jahr. Laut Mitgliedern der „Sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“ liegt die Dunkelziffer aber noch weit höher. Besonders sie, die sich aktiv gegen das Erstarken der Rechten einsetzen, sind immer wieder Opfer brutaler Angriffe von örtlichen Neonazis, nach denen schon mehrmals Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Bei einem besonders schweren Fall wurde ein alternativer Jugendlicher solange auf dem Boden liegend gewürgt, bis er das Bewusstsein verlor. Nur an den Tagen, an denen NPD-Kader im „Mannheim“ zusammenkommen, ist noch nie etwas vorgefallen. Das beweist erstens den Einfluss der sächsischen NPD auch auf unorganisiert scheinende neonazistische Jugendgruppen und lässt zweitens klar werden, wie wichtig der Treffpunkt für die Partei ist, sodass sie sich stets bemüht, den Limbachern ein Saubermann-Image vorzutäuschen. |